Meine erste SPIEL in Essen. Nicht meine erste Messe, da ich ein großer Fan von Conventions und vor allem der RPC (Role Play Convention) bin, aber doch eine andere Richtung und eine ganz neue Erfahrung.

Der Weg nach Essen stellte kein Problem dar und ich begann mich zu fragen, ob die Züge und Bahnen voller verkleideter Menschen sein würden, wie ich es von ähnlichen Veranstaltungen kenne. Selbst ein großer Fan von Kostümen, entschied ich mich doch für etwas Ziviles und Bequemes, um die Lage erst einmal auskundschaften zu können.

Während meiner Bahnfahrt dann konnte ich zwar kaum kostümierte Menschen erspähen, doch dafür überall aufgeregten Wortfetzen und Gesprächen lauschen, in denen es sich um Brettspiele, zu erwartende Prototypen und ausstehende Testrunden drehte. Direkt fühlte ich mich ein wenig wohler, umgeben von Menschen zu sein, die sich für das Gleiche begeistern wie ich. Von da an wusste ich, dass es kein Problem mehr sein würde, die Messe zu finden. Wie es in solchen Momenten immer gut funktioniert, folgte ich der Menge und ließ mich so zum Eingang treiben. Wow! So viele Menschen und alle waren gekommen, um analoge Spiele zu spielen. Alle Altersklassen und Geschlechter waren vertreten, überall erklangen fremde Sprachen, Lachen und ungeduldige Stimmen, die begierig darauf drängten, in die Hallen zu strömen. Was mir schon während des Anstehens und Wartens auffiel war, dass obwohl natürlich jeder so weit nach vorne wollte wie möglich, niemand auf die Kosten der Anderen drängelte. Auf Kinderwägen und Kinder wurde Rücksicht genommen und völlig Fremde plauderten miteinander, um die Wartezeit zu verkürzen und ihre Ungeduld und Vorfreude zu teilen.

Als ich schließlich in die erste Halle durchkam, war der Anblick schier überwältigend. Überall reihten sich Stände und Aufbauten, sogar Banner hingen von den hohen Decken und obwohl ich recht früh angekommen war, waren die Tische bereits voller Menschen, die konzentriert in der einen oder anderen Partie steckten. Auch der Strom an nachkommenden Menschen schien nicht enden zu wollen und so schlängelte ich mich erst einmal durch die Menge, um in die hinteren Hallen zu fliehen, bis alle besser verteilt sein würden.

So begann ich, mir Spiel um Spiel anzuschauen, bei Partien zuzusehen und in Spielanleitungen zu blättern. Ich bewunderte wunderschöne Bilder und Zeichnungen, hielt meine ungeduldigen Finger zurück, die nach detaillierten Miniaturen und ausgefallenem Spielmaterial greifen wollten. Und wurde gefesselt von ausgefallenen Themen und neuen Interpretationen alter Welten. Mir viel nun wieder auf, dass erstaunlich wenig Menschen verkleidet waren. Alle schienen viel zu beschäftigt damit zu sein, die Messe so sinnvoll zu nutzen, wie es ging. Ich genoss die unbeschwerte und doch hochkonzentrierte Atmosphäre, in der jeder nur Spaß haben wollte. Ohne selbst darstellende und sperrige Kostümierungen, war jeder nur mit Spielen beschäftigt. Auch ich musste nicht lange warten und während ich ein Spiel genauer unter die Lupe nahm, fanden sich bereits einige andere, die sich gerne für eine Proberunde mit mir zusammensetzten. Immer wieder fanden sich kleine Grüppchen oder einzelne Spieler, denen ich mich anschließen konnte. Alle waren sehr freundlich und offen und gerne bereit, mich in eine Runde aufzunehmen. Bei einem Spielduell gewann ich sogar ein kleines Spiel, aber vor allem hatte ich eine Menge Spaß mit völlig Fremden. Auf Deutsch und auf Englisch habe ich neue Kontakte geknüpft und bin hin und wieder allein von Stand zu Stand gewandert, um meine sozialen Reserven zu füllen oder überteuerte aber köstliche Snacks zu naschen.

Obwohl ich drei Tage auf der Messe war, konnte ich mir nicht jedes einzelne Spiel anschauen. Wegen der Größe und der Menschenmenge in den Hallen – und weil ich den Orientierungssinn eines Goldfischs habe – bin ich oft Umwege gelaufen, auf denen ich aber immer wieder neue Stände und Spiele entdeckt habe. Auch schien in den Hallen mit den hellen Strahlern keine Zeit zu herrschen. Obwohl ich noch nie in einem Casino war, muss es sich so ähnlich anfühlen. Ich war viel zu begeistert, um mich um so etwas Banales wie die Tageszeit zu kümmern, bis mein Körper sich schließlich zu beschweren begann und ich auf die Uhr schaute. Beim Verlassen des Geländes merkte ich erst, dass es bereits stockdunkel geworden war.
Am Ende war ich völlig erschöpft aber hatte das Gefühl, meine Zeit gut genutzt zu haben. Ich muss sagen, dass die SPIEL ab sofort zu meinen Lieblingsmessen gehört und ich mich jetzt schon auf nächstes Jahr freue!

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